Kennt ihr das?

Ihr betretet eure Lieblingsbuchhandlung, schaut euch um und plötzlich bleibt euer Blick an einem ganz bestimmten Buch haften – es ist Liebe auf den ersten Blick. Ihr habt vielleicht grade einmal das Cover betrachtet, eventuell noch Autor und Titel gelesen und wisst schon jetzt, dass ihr unbedingt genau dieses Buch haben müsst? Dann lest ihr auch noch den Klappentext und spürt, dass euch dieses Buch ganz besonders gut gefallen wird. Deine innere Stimme flüstert „kauf es!“ und du guckst in deinen Geldbeutel und du siehst? Nichts. Da ist gähnende Leere. Und von nun an gehst du beinahe täglich an diesem hübsch dekorierten Schaufenster vorbei, in dem das Buch steht, oder du schleichst dich immer wieder in die Buchhandlung, um einfach nur mit dem Exemplar zu liebäugeln. Und irgendwann kommt dann der glückliche Moment, in dem es wieder klimpert und das erste was du machst, ist den Weg zum Buchladen einschlagen. Und dann kaufst du dir das Buch und endlich kann es bei dir zu Hause einziehen. Auf den leeren Platz auf deinem Nachttisch, an die für ihn reservierte Stelle im Bücherregal, in dein Herz.

Genau so erging es mir bei Tobi Katzes Buch „Morgen ist leider auch noch ein Tag“. Seit drei Tagen hat es nun seinen Platz bei mir gefunden und schon nach den ersten 100 Seiten bin ich mir sicher, dass dieses Buch nicht nur den Platz in meinem Bücherregal, sondern auch den in meinem Herzen ergattern wird.

Seite für Seite ein Lesegenuss. Tobi Katze spielt mit Sprache, wie es nur ganz Große können. Poetisch, einfühlsam, selbstironisch, humorvoll, traurig, lebensklug. Ich habe das Gefühl, ich erlebe seine Gefühlswelt hautnah mit, denke, was er denkt, spüre, was er spürt und sehe, was er sieht.

Regelmäßig verfalle ich jeder Frau, die mich auch nur wahrnimmt. Ich weiß nicht, wie das geht, denn ich habe Angst vor Menschen, weil ich etwas Dummes sagen könnte. Gleichzeitig reiße ich mir das Herz raus und verschenke es freigiebig an den Erstbesten, der nicht schnell genug „Danke, ich hab schon“ sagt. Wo da der Sinn ist- da würde ich auch gerne hintersteigen. Vielleicht ist Liebe für mich ein Halt. Der laut vernehmbare Widerspruch zu meinen eigenen Gefühlen. Vielleicht suche ich krampfhaft nach Liebe, um etwas zu erfahren, was ich in mir selbst nicht finde. Wir Menschen suchen die Wiederholung alter Gefühle, hat mein Therapeut gesagt. (S.89)

Mit Tobi Katze auf einer Party, beim Kennenlernen einer Frau, beim Fühlen seiner Sehnsucht nach Liebe. Mehr Gefühl geht nicht.

Wie soll Verantwortung funktionieren, wenn ich nicht einmal mein eigenes Herz so ruhig betten kann, dass es eine Nacht sorgenfrei und glücklich schläft, es sich selbst vertrauen kann? (S.68)

Mit Tobi Katze auf dem Weg durch seine tiefsten und stillsten Gedanken.

Depression also.
„Ziemlich unkreative Diagnose“, sage ich nach der obligatorischen Schweigeminute und wische mir eine letzte Träne von der Wande. „Irgendwie hatte ich mir da was Ausgefalleneres erhofft. Ich meine, wenn ich schon was haben muss, dann doch nicht so eine Wald-und-Wiesen-Erkrankung.“ „Ja“, meint mein Therapeut, „tut mir leid, dass Sie da nichts Besonderes sind. Das ist natürlich hochgradig tragisch.“ (S.62/63)

Mit Tobi Katze über sich selber schmunzeln.

All das zeichnet dieses Buch schon jetzt für mich aus. Hat es schon jemand von euch in seinem Regal stehen und vielleicht sogar schon gelesen?

Und an alle, die es noch nicht haben – kauft dieses Buch!

Alina

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