Rezension: Colleen Hoover – Maybe Someday

Rezension zu Colleen Hoovers „Maybe Someday“

Colleen Hoover – Königin der Liebesgeschichten mit außergewöhnlich alltäglichen Personen und Geschichten mitten aus dem Leben. Geschichten von dir und mir. Stets mit einem Hang zur Kunst, Musik, Poesie. So würde ich die Autorin und ihre Werke beschreiben, wenn ich müsste.

Nachdem mir „Love and Confess“ leider nicht wirklich zugesagt hat, wollte ich dennoch „Maybe Someday“ eine Chance geben. Und die Geschichte klang vielversprechend: Ein Mädchen, das von ihrem Freund mit ihrer besten Freundin betrogen wird. Sie haut ab, weiß nicht wohin. Sie will nicht zu ihren Eltern, denn die kritisieren ihr Studium und ihre Lebensweise. Sie hat aber auch kein Geld mit, um sich ein Hotelzimmer zu suchen, denn die Handtasche hat sie in aller Hektik in ihrer Wohnung vergessen – in der ihr Freund mit ihrer besten Freundin verweilt. Aber das Schicksal meint es in dieser schier auswegslosen Situation gut mit ihr. Ihre Nachbarn Bridgette und Ridge nehmen Sydney vorübergehend bei sich auf. Viel Kontakt hatten sie noch nicht miteinander, doch Ridge und Sydney verbindet etwas besonderes – die Liebe zur Musik.

Seit mehreren Wochen saßen sie sich abends oft auf ihren Balkonen gegenüber. Ridge spielte Gitarre, Sydney dachte sich Texte aus und sang oft vor sich hin. Eines Tages erhält Sydney eine SMS von Ridge, in der er sie bittet, Songtexte für seine Kompositionen zu schreiben. Denn er selbst hat zurzeit eine Schreibblockade. Sie lässt sich drauf ein und als sie zwei Wochen später vorübergehend bei Ridge einzieht, haben beide einen Deal: Sie schreibt Songtexte und darf dafür in dem freien Zimmer wohnen.

Während ihrer gemeinsamen Arbeit kommen sich die beiden unweigerlich näher. Denn Ridge ist taub. Er hört die Musik und den Gesang nicht, er fühlt es. Fühlt es, wenn er die Gitarre ganz nah an sich drückt und die Schwingungen spürt und fühlt es, wenn er seinen Kopf auf Sydneys Brust legt, um die Vibrationen der Stimme zu spüren. Eindrucksvoll und greifbar beschreibt Hoover diese Situationen zwischen den beiden, die in ihrer Stille und Ruhe so wundervoll melodisch und harmonisch erscheinen, so zerbrechlich, so voller Magie, dass man die beiden als stiller Beobachter niemals unterbrechen möchte. Vielmehr möchte man ihnen für immer zuschauen. Beide entwickeln Gefühle füreinander und es könnte so einfach sein, wäre da nicht Ridges Freundin Maggie. Die liebevolle und wunderschöne Maggie, die Ridge über alles liebt und niemals verlassen will und kann. Denn es gibt ein „Geheimnis“, das Ridge an Maggie bindet, vielmehr, als der Leser zu Beginn erahnen kann.

Sydney und Ridge möchten nicht wie ihr Ex-Freund und ihre beste Freundin sein- sie wollen nicht betrügen. Es beginnt ein Kampf. Ein Kampf gegen Gefühle, gegen Verbundenheit, gegen das eigene Herz. Der Leser erlebt mit, wie beide sich mit aller Macht dagegen sträuben, Maggie zu hintergehen. Wenn die Anziehung zu groß wird,  nennen sie sich stets vermeintlich schlimme Eigenschaften von sich. Dabei wird die Geschichte aus zwei Sichten geschrieben – sowohl Sydney als auch Ridge kommen abwechselnd zu Wort. Und das ist ein besonders gelungener Kunstgriff. Der Leser blickt in beide Gedankenwelten, erlebt nicht nur den Kampf einer Hauptfigur, sondern beider Protgaonisten. Man selbst ist hin- und hergerissen. Wünscht man sich von Herzen, dass die beiden endlich zueinanderfinden, so wünscht man sich auch gleichzeitig ein Happyend für Maggie, die wirklich äußerst liebenswürdig ist und der man das Glück von Herzen gönnt. Nach über 300 Seiten scheint es beinahe aussichtslos – wie sollte ein Happyend möglich sein? Mindestens eine Person würde am Ende mit einem gebrochenen Herzen dastehen… und das hat mir besonders an dem Buch gefallen. Es ging auf das Ende zu und dennoch war es nicht offensichtlich, was passiert. Trotzdessen, dass wir es hier mit einem Liebesroman zu tun haben.

Ein ganz besonderes Schmankerl hat das Leseerlebnis dann noch einzigartiger gemacht. Ergänzt wird das musikalische erleben der beiden Protagonisten durch reale Musik. Gemeinsam mit dem Musiker Griffin Peterson hat Colleen Hoover einen Soundtrack zum Buch geschaffen, der unbedingt begleitend gehört werden sollte. Jeder aufgeschriebe Songtext findet sich auf dem Album wieder und die tiefe Sehnsucht von Ridge und Sydney wird durch die zugehörige Musik noch viel realer. Dem Leser wird ein multimodales Erlebnis geboten – lesen, hören, fühlen. Einfach einzigartig! Den Link zu der Internetseite möchte ich euch natürlich nicht vorenthalten:

Eintrittskarte zu einem einmaligen Leseerlebnis

Schaut vorbei und hört einfach mal rein!

Was mir ebenfalls außerordentlich gut gefallen hat, ist der Humor. Denn mit der WG rund um Ridge, Sydney, Bridgette und Co. kann man wirklich Unmengen an Spaß haben. Sie sind einfach genial. Ständig spielen sie sich Streiche, nehmen den anderen auf den Arm und zeigen, wie toll eine solche Wohngemeinschaft sein kann, gerade wenn ganz unterschiedliche Charaktere aufeinandertreffen. Und an dieser Stelle muss auch nochmal hervorgehoben werden, mit welcher erfrischenden Normalität Hoover den gehörlosen Protagonisten Ridge in die Geschichte und das Leben integriert, als hätte er kein Handicap, sondern würde sogar mehr dazugewinnen, als hörende Menschen je erfahren können. Das Leben der Wohngemeinschaft erscheint so problemlos und leicht in dieser Hinsicht. Und das macht Hoover für mich zu einer besonderen Autorin. Sie schafft es, eine herrliche Normalität zu schaffen. Ihre Geschichte ist nicht lebensfern, sondern könnte dir und mir passieren und passiert vielleicht so auch oft auf der ganzen Welt. Und trotzdem ist sie mit ihren Besonderheiten stets einzigartig.

Wie ihr seht, ich bin begeistert. Endlos begeistert und einfach nur verliebt in dieses Buch!

 

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