Rezension: Gayle Forman – Nur ein Tag

Rezension zu Gayle Formans – „Nur ein Tag“, Teil 1 des Romanduos

Teil 1 und für mich wahrscheinlich leider auch der erste und letzte, den ich von diesem Duo lese. Die Grundidee der Geschichte, die uns Forman hier präsentiert, ist wirklich toll: Ein Mädchen begibt sich nach ihrem Highschoolabschluss auf eine Europareise. Mit einer Reisegruppe besucht sie nacheinander die Großstädte des Kontinents. Doch nichts ist wie erhofft – statt viel Kultur erlebt die 18-jährige Allyson vor allem eins: Trinkende und feiernde junge Erwachsene. Und das war es nicht, was die Amerikanerin sich von ihrem Trip erhofft hat. An einem der letzten Abende trifft sie gemeinsam mit ihrer Freundin Melanie, die sie schon aus Kindheitstagen kenn, auf eine Schauspielgruppe, die sich Guerilla Will nennt. Die Gruppe führt an den verschiedensten Orten in der Natur Stücke von Shakespear auf. Gefesselt von der Freiheit und der Spontanität der Schauspieler folgen Allyson und Melanie der Einladung und schauen sich ein Stück der Gruppe an – bei der Allyson der gutaussehende Holländer Willem ins Auge sticht. Ein großer, hübscher junger Typ, mit blonden Haaren und dunklen Augen, der schon seit zwei Jahren durch Europa reist und mal hier und mal dort Zuhause ist.

Am kommenden Morgen wollen sich Melanie und Allyson getrennt von der Reisegruppe nochmal auf den Weg nach London machen, um die letzten Tage vor der Heimkehr dort zu verleben. Wie es der Zufall will, begegnet Allyson Willem im Zug. Allyson erinnert Willem an eine Schauspielerin und kurzerhand gibt er Allyson den Namen Lulu. Eine neue Identität ist geboren. Lulu – spontan, lebensfroh, abenteuerlustig. Das Gegenteil von Allyson, die bisher hauptsächlich das getan hat, was ihre Eltern von ihr erwartet haben.

Doch nun wagt sie sich ins Abenteuer mit Willem, als dieser ihr vorschlägt, für einen Tag nach Paris zu reisen. Der Leser wird mit auf diese Reise genommen und erlebt mit den beiden Protagonisten einen unvergesslichen Tag in Paris. Es begegnen einem bekannte Plätze und Sehenswürdigkeiten, aber auch geheime Ecken, an die Willem sie führt. Doch wer ist Willem eigentlich? Viel weiß Allyson nicht über hin. Und viel gibt er nicht preis. Er ist die große Unbekannte. Aber eben genau das macht ihn für den Leser auch so reizvoll. Er ist da aber doch nicht wirklich greifbar. Man möchte wissen, was hinter seiner Fassade steckt.

Nach einem gemeinsamen Tag und einer gemeinsamen Nacht ist Willem am nächsten Morgen jedoch spurlos verschwunden. Für Allyson ein großer Schock. Denn obwohl sie wusste, dass den beiden nur ein Tag bleibt, hat sie ihr Herz offen gelegt, hat sich in unbekannte Gewässer gewagt und sich dabei in Willem verliebt. Mit gebrochenem Herzen verlässt Allyson letztendlich Paris und kehrt nach Amerika zurück.

Wenige Monate später geht sie aufs Collage und der Leser wird mit einer deprimierten, antirebslosen und unglücklichen Allyson konfrontiert. Denn dieser eine Tag hat ihr ganzes Leben auf den Kopf gestellt. Sie weiß nicht mehr, was sie will. Ist das von ihren Eltern vorgesehene Medizinstudium auch ihr Wunsch? Kann sie sich jemals wieder einem Menschen öffnen und ihm vertrauen, so wie sie es an jenem Tag bei Willem getan hat, ohne verletzt zu werden? Ist das Leben, wie sie es bis jetzt gelebt hat, für sie wirklich lebenswert gewesen? Forman versucht den Leser hier mit der Protagonisten auf eine Identitätssuche zu schicken, die vom Grundgedanken her spannend wirkt, die sich jedoch zieht wie Kaugummi. Auch wenn jedes Kapitel einen neuen Monat beschreibt, hat man doch das Gefühl, es passiert nichts, obwohl die Autorin einen mit den verschiedensten Situationen konfrontiert – Familienfeiern, Elternbesuche am College, Collegeseminare… aber all diese Situationen haben leider eins gemeinsam: Sie sind langweilig kommen nicht richtig in Fahrt, der Leser wird nicht gepackt. Ein Besuch bei der psychologischen Beraterin wird angeschnitten, ein Familienstreit wird angeschnitten. Alles wird nur angeschnitten und nicht zuende geführt. Viele Menschen treten plötzlich in ihr Leben und gehen genau so plötzlich auch wieder. Ihr Leben in Traurigkeit führt sie bis zu dem Moment weiter, in dem sie beschließt nach Willem zu suchen. Und plötzlich muss alles, was sich im Mittelteil wie Kaugummi zog und schier endlos wirkte, ganz schnell gehen. Allyson erarbeitet sich mal eben in 2 Monaten das gesamte Geld für eine Rückreise nach Paris. Sie durchquert dann nicht nur Paris, sondern auch Amsterdam, will weiter nach Kroatien.. sie trifft Altbekannte, trifft Reisegruppen, trifft generell nur Menschen, die ihr wohlgesonnen sind und ihr helfen wollen ihre Liebe zu finden. Der Leser muss fast durch die letzten 70 Seiten hetzen, um alles aufnehmen zu können, so schnell geht es plötzlich. Und das finde ich so schade. Sowohl Anfang als auch Ende sind eigentlich vielversprechend für die Geschichte, hier gibt es auch die wirkliche Liebesgeschichte, die einem versprochen wurde. Doch der größte Teil umfasst Allysons leider langweilige Identitätskrise.

Der eine Tag in Paris war ein Weckruf für sie. Ein Schritt in eine andere Welt, die Willem ihr gezeigt hat. Ein Schritt in ein Leben, wie sie es leben könnte, wenn sie aus ihrem alten ausbrechen würde. Der Leser hat Lust, gemeinsam mit ihr auszubrechen und Neues zu entdecken. Er will mit Allyson gemeinsam ihre Identität entdecken. Diese Idee gefällt mir wirklich sehr. Doch was am Beginn so vielversprechend wirkte, lies mit jeder Seite nach. Das Konzept wurde nicht richtig ausgeformt, relevante Dinge nicht richtig auf den Punkt angesprochen, dafür wurde viel zu viel drumherum gemacht. Eine kürzere Mitte, ein ausführlicheres Ende – das hätte dem Buch wahrscheinlich gut getan. So ist das Buch für mich leider keine Leseempfehlung.

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