Rezension: Cassandra Clare – Lady Midnight

Rezension zu Cassandra Clares „Lady Midnight“, Band 1. Erschienen im Goldmann-Verlag. 2016.

Meine Lieben, ich habe einen Ausflug in die Welt der Schattenjäger gemacht. Meinen ersten, wohlangemerkt. Mein Buch führte mich nach Los Angeles an das Institut unter der Leitung der Blackthornes. Zwischen Wüsten, Straßen und dem Meer liegen die großen Gemäuer, hinter denen nicht nur die Schattenjäger leben, sondern hinter denen tiefergreifende Geschichten um Familie, Verlust, Leid und Liebe schlummern, die Cassandra Clare in dem esten Band der neuen Reihe „Chroniken der Dunklen Mächte“ zum Leben erweckt.

Und das tut sie in Form der Familie Blackthorn. 7 Geschwister, die ohne ihre Eltern, nur unter vermeintlicher Aufsicht ihres Onkels, dort leben und aufwachsen. Jedoch sind sie nicht mehr alle zusammen. Mark, halb Feenwesen, halb Schattenjäger, wurde vom Rat zu den Feenwesen zur Wilden Jagd geschickt und auch Helen, die ältere Schwester, wurde vom Rat auf eine Insel verbannt. Zu fünft bleiben die Geschwister zurück. Julian, nach Verlust der beiden älteren Geschwister, der Älteste, übernimmt die Verantwortung für den Rest der Famile und trägt diese Bürde seitdem er 12 Jahre alt ist. Er ist reif, verantwortungsbewusst und voll und ganz in seiner Rolle als Elternersatz für seine Brüder und Schwestern. Liebevoll bemüht er sich, ihnen ein schönes Zuhause zu schenken, ihren Bedürfnissen und Wünschen nachzukommen und jedem einzelnen so viel Zeit zu schenken, wie er sich wünscht. Die Last auf seinen Schultern ist groß, wäre da nicht Emma, seine Parabatai, seine Seelenverwandte, die ihn blind versteht und ihm seit jeher zur Seite steht.

Doch auch andersherum ist Julian für Emma der Fels in der Brandung. 5 Jahre zuvor wurden ihre Eltern ermordert und während der Rat diesen Todesfall als Verlust des Dunklen Krieges beklagt, glaubt Emma nicht daran. Für sie steckt mehr hinter dem Mord und sie schwört Rache. In mühevoller Kleinstarbeit sammelt sie über die Jahre hinweg alle Informationen, die ihr in die Hände fallen, um ihrem Ziel, den Täter zu finden, einen Schritt näher zu kommen.

Eine mysteriöse Mordserie erschüttert seit geraumer Zeit Los Angeles. Die Leichen der Opfer weisen ähnliche Symbole auf, wie sie damals auf den Körpern ihrer verstorbenen Eltern zu finden waren. Julian und Emma glauben, eine Spur gefunden zu haben und wollen auf eigene Faust ermitteln, denn der Rat will nicht, dass die Schattenjäger sich in diese Angelegenheit einmischen…

Und dann gehen sie auch noch einen Bund mit den Feenwesen ein, der eigentlich verboten ist… Denn diese bieten den Blackthornes ihren Bruder Mark an und fordern im Gegensatz dazu die Überlieferung des Täters. In geheimer Mission ermitteln die Blackthornes, Emma, ihr Freund und Hexenmeister Malcom, Institutsleiterin Diana, Gast Christina und der Elbe Kieran und versuchen, dem Täter auf die Spur zu kommen, und bringen sich dabei in größte Gefahr…denn was ist, wenn der Rat dahinter kommt? Und was passiert, wenn man irgendwann nicht mehr weiß, wer Freund und wer Feind ist?

Die Welt, die Clare in diesem Buch – und ich denke auch in den Vorgängern – zeichnet, ist komplex, geheimnisvoll, spannend und faszinierend. Geheimsprachen, Runenmale, Gesetzmäßigkeiten, all das musste ich neu „lernen“ und als ich die 800 Seiten vor mir hatte, habe ich mich wohl auch etwas vor dieser Aufgabe gefürchtet. Doch Clare macht es einem so leicht. Ihre Protagonisten sind vielschichtig, liebevoll, aufregend und nehmen den Leser an die Hand, um ihn in die Welt der Schattenjäger einzuführen. Der Parabatai-Bund zwischen Emma und Julian und ihr damit verbundener Umgang ist einfach herzerwärmend. Die Geschichte der beiden hat mein Herz zutiefst berührt und ja, am Ende bin ich doch mit Herzschmerz zurückgeblieben. Denn auch die Liebe spielt ein großes Thema in Lady Midnight und kann dem Leser in dem einen Moment das Herz erwärmen und in dem anderen zerreißen. Und dem Leser begegnen gleich 3, vielleicht sogar 4 Liebesgeschichten auf seinem Weg durch die 800 Seiten und alle nehmen einen mit.

Das Ende des ersten Buches war für mich völlig unvorbereitet und schockierend. Nie hätte ich damit gerechnet, wer sich am Ende als Täter entpuppt und dafür muss ich der Autorin ein großes Lob aussprechen! Es zu schaffen auf so vielen Seiten nicht einen offensichtlichen Hinweis auf den Täter zu geben, das ist eine Meisterleistung und hat den Wert dieses Buches für mich nochmal erheblich gesteigert.

Und auch die Covergestaltung ist nach dem Lesen noch um einiges beeindruckender. Eine Frau, die an der Oberfläche des Ozeans zu schweben scheint, ein Schwert in der Hand. Sie scheint Emma zu sein, die Cortana – ihr Schwert – in der Hand hält. Wer die Geschichte gelesen hat, wird das Cover vielleicht auch als eine der beschriebenen Szenen des Buches wiedererkennen. Und auch das Meer ist ein großes Thema des Romans, weshalb dieses besonders im Zusammenhang mit der dunklen, türkisen Farbgebung einfach ein Meisterwerk ist.

Ich kannte keinen der beiden Vorgänger-Reihen und möchte alle „warnen“, die genau wie ich, zuerst Lady Midnight lesen – das Büchlein ist nicht spoilerfrei! Sowohl das Ende der Clockwork-Reihe als auch das der Chroniken sind in diesem Buch zu lesen. Denn die Protagonisten vergangener Geschichten spielen auch hier eine Rolle, so dass Clare mit all ihren Büchern einen ganz eigenen Kosmis kreiert, dem man sich nicht mehr entziehen kann. Ich bin verliebt, verzaubert, begeistert und traurig, dass das Buch nun vorbei ist. Aber Clockwork Angel und Chroniken der Unterwelt liegen bereit – Schattenjäger, ich komme! 🙂

 

 

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