Colleen Hoover – Zurück ins Leben geliebt

scriptina.regular

Tate und Miles, Miles und Tate, Tate und Miles, Miles und Tate, … leise gehen sie in meinem Kopf umher, im Kreis, aufeinander zu, voneinander weg, hintereinander her, miteinander, und hinterlassen Fußspuren. Fußspuren, die ich noch immer spüre, obwohl sie schon vor mehreren Tagen weitergegangen sind, denn da habe ich bereits ihre Geschichte ausgelesen und dennoch beschäftigt sie mich auch heute noch.

„Zurück ins Leben geliebt“ heißt der Titel auf Deutsch, „Ugly Love“ auf Englisch. Beide so unterschiedlich und doch beide so passend – jeder, der das Buch gelesen hat, weiß, wieso. Doch müsste ich wählen, so würde ich mich für den deutschen Titel entscheiden, denn dieser trägt Hoffnung in sich und das ist ein Gefühl, mit dem ich gerne in eine Lektüre gehe.

Tate zieht zu ihrem Bruder nach San Francisco, denn sie wird dort studieren. Bis sie etwas eigenes gefunden hat, wohnt sie in mehrstöckigen Apartment. Ein luxoriöses großes Wohnhaus, neue Gesichter, neue Menschen, neue Aufgaben stehen Tate bevor, doch bevor sie auch nur einen Fuß in die Wohnung ihres Bruders setzen kann, muss sie eine Hürde überwinden – Miles. Denn dieser liegt betrunken vor der Haustür ihres Bruders, als sie mit gepackten Koffern gerade ankommen will. Wer ist dieser Typ? Und wieso liegt er vor der Haustür des Bruders obwohl er doch nebenan wohnt? Und wer ist Rachel? Der Name, mit dem Miles Tate in seinem Rausch anspricht, während er Unterschlupf auf dem Sofa findet. Bereits zu Beginn ein emotionaler Moment, er weint, er entschuldigt sich bei Rachel. Doch wer ist diese Frau und was tut ihm so unendlich leid?

Der Leser wird die Geschichte von Miles&Rachel erfahren, stückchenweise, in Kapiteln, sie Hoover extra für Miles konzipiert hat. Sechs Jahre liegen diese Kapitel zurück, die aus Miles Perspektive geschrieben sind und im starken Kontrast zu den gegenwärtigen Kapiteln von Tate stehen, in denen Miles derjenige ist, der niemals wieder mehr lieben möchte. Denn in seinen eigenen Kapiteln erzählt er poetisch, geschrieben als Poetry Slam (wobei es sich meiner Meinung nach nicht wirklich so liest, aber das muss es auch ganz und gar nicht). Voller Liebe, voller Gefühl, voller Leben und Hoffnung. All das, was Miles gegenwärtig verloren zu haben scheint.

Was Miles in der Gegenwart fehlt, verkörpert Tate jedoch um so mehr. Sie kann nicht anders, als sich für Miles zu begeistern. Er fasziniert sie, doch gleichzeitig ist er ein großes Fragezeichen, hinter dem eine Antwort steht, auf die Tate sehr lange warten muss. Was ich im übrigen sehr gelungen finde, denn Hoover verleitet den Leser nahezu dazu, das Buch in einem Rutsch durchzulesen, denn wer will nicht wissen, warum Miles so geworden ist wie er ist und wie die Geschichte der beiden ausgeht? Der Spannungsbogen dehnt sich nahezu bis ans Ende aus und gefühlt habe ich während der gesamten Geschichte den Atem angehalten. Und das nicht nur wegen der klassichen Spannung, sondern auch oder vielleicht noch viel mehr wegen der erotischen Momente. Denn sowohl Tate als auch Miles können nicht leugnen, dass sie sich zueinander hingezogen fühlen – doch für Miles gibt es in dieser „Beziehung“ klare Regeln. Regel Nummer 1: Frag nicht nach meiner Vergangenheit. Regel Nummer 2: Wünsch dir keine Zukunft mit mir! Regeln, auf die sich Tate einlässt, hat sie doch lieber ein Stück von Miles als garnichts.

Es ist das erste Buch, das ich von Hoover lese, auf dessen Buchrücken die Empfehlung „Ab 16 Jahren“ ausgeschrieben wird und in dem sich solch eine Erotik finden lässt. Jedoch werden die erotischen Momente alles andere als vulgär beschrieben, vielmehr steht hier die Liebe im Vordergrund. Sex als etwas Wunderschönes, als eine körperliche Verbindung zwischen zwei Menschen, die etwas ganz Besonderes ist. Ein intimer Moment, den eigentlich nur die beiden Protagonisten teilen und in den uns Hoover als Leser doch wunderschöne Einblicke gewährt.

Für mich besticht die Geschichte durch ihre „Einfachheit“. Versteht mich nicht falsch, wenn ich es so ausdrücke, doch mir fällt kein passenderes Wort ein. Denn Hoover versteht es hier, ein ganzes Buch zu füllen mit einer Geschichte rund um eine schwierige Beziehung zweier Personen zueinander. Es braucht nicht viel drumherum. Im Fokus stehen die Gefühle, die Momente, die Erlebnisse – vergangen und gemeinsam. Es passiert nicht viel drumherum, was ich an so manchem Buch bemängeln würde, was aber bei Hoovers Buch einfach nur fantastisch ist. Schlicht – aber zutiefst ergreifend!

Ich finde besonders die Kapitelaufmachung und die unterschiedlichen Darstellungsformen sehr gelungen, denn wer das Ende des Buches gelesen hat, der wird verstehen, wieviel Bedeutung die poetische Sprache von Miles hat. Für seine zwischenmenschlichen Beziehungen und auch für ihn selbst.

Es ist eine Geschichte, die so viel Mut macht. Die dem Leser ans Herz legt, doch immer wieder neu aufzustehen, von vorne zu beginnen, neue Schritte zu machen, ein Fuß vor den anderen, und mögen sie auch noch so klein sein. Man soll sein Leben nicht von Angst, Schuld, Zweifel dominieren lassen. Wem etwas schlimmes im Leben wiederfahren ist, der soll das Leben nicht abschreiben, sondern sich wieder zurück ins Leben lieben!

Eure

scriptina.regular

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3 Kommentare zu „Colleen Hoover – Zurück ins Leben geliebt

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